Urteil im Floyd-Prozess gesprochen

Urteil im Floyd-Prozess gesprochen

21. April 2021 Aus Von cugastro

Urteil im Floyd-Prozess gesprochen
Mord!
Ex Polizist Derek Chauvin schuldig gesprochen.

Als der vorsitzende Richter das Urteil der Geschworenen verkündet, bricht vor dem Gerichtsgebäude lauter Jubel aus. Derek Chauvin, der Ex-Polizist, der im Mai letzten Jahres solange auf dem Hals von George Floyd kniete, bis dieser tot war, wurde in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Zuvor hatten sich die Geschworenen zehneinhalb Stunden beraten, eine Zeitspanne, die für amerikanische Prozesse und insbesondere Mordprozesse geradezu lächerlich kurz ist. Es gab keine der sonst üblichen Rückfragen. Die Geschworenen, 7 Frauen und 5 Männer waren sich Ihrer Sache schnell sicher.

Chauvin, der den Schuldspruch regungslos verfolgte, wird direkt danach in Handschellen abgeführt. Vor dem streng gesicherten Gerichtsgebäude hatten sich hunderte Menschen versammelt, viele davon offenkundig Unterstützer der „Black Lives Matter“ Bewegung. Jetzt jubeln sie und erleben das Urteil mit einer Mischung aus Zufriedenheit und Erleichterung, denn bis zuletzt war nicht klar, in welche Richtung geurteilt werden würde.

Auch Präsident Joe Biden meldet sich zu Wort: „Dies kann ein Moment von bedeutender Veränderung sein.“ Er verspricht, sich weiter gegen Polizeigewalt einzusetzen. Der Anwalt der Familie Floyd beurteilt das Urteil als einen historischen Moment, nicht nur „für das Vermächtnis von George Floyd, sondern auch für das von Amerika“. Floyds Bruder Philonise vergoss nach eigenen Angaben Freudentränen.

Das genaue Strafmaß für Chauvin wird erst in einigen Wochen verkündet. Er wurde in allen Punkten, also konkret des „Mordes zweiten Grades“, des „Mordes dritten Grades“ und des „Totschlags zweiten Grades“ schuldig gesprochen.

In Minnesota bedeutet Mord zweiten Grades, dass „ein Mensch einen anderen ohne Absicht tötet“. Um Mord dritten Grades handelt es sich, wenn „ein Mensch den Tod eines anderen durch eine „außerordentlich gefährliche Handlung“ verursacht, wobei ihm dessen Leben egal ist“ und unter Totschlag zweiten Grades handelt es sich, wenn jemand durch ein „unvernünftiges Risiko“ den Tod oder die schwere Körperverletzung eines anderen in Kauf nimmt. In Deutschland wäre das – ohne den Vorsatz der Tötung – mit einer Verurteilung wegen Totschlag vergleichbar.

Da Chauvin nicht vorbestraft ist, gehen einige Beobachter des Prozesses davon aus, dass er nicht die Maximalstrafe bekommt, andere glauben aber, dass die Addition der für die drei Anklagepunkte vorgesehenen Strafen reicht, um Derek Chauvin für den Rest seines Lebens hinter Gittern zu behalten.

So oder so bedeutet das Urteil ein wenig Hoffnung auf ein gerechteres Amerika, auch wenn der Weg dahin noch weit scheint. Eine direkt nach dem Urteil oft getätigte Aussage war in Anlehnung an die letzten Worte von George Floyd „I can’t breathe“, dass „Amerika jetzt wieder ein bisschen besser atmen könne“.